Costa de la Luz

Dort, wo Europa im Atlantik endet und Nordafrika am Horizont auftaucht, sind die Strände endlos lang und traumhaft schön. Ursprünglich wirkt das bäuerlich geprägte Hinterland, in dem Stiere und Pferde auf riesigen Weiden grasen, unverfälscht sind Flamenco und die einheimische Küche.

Tausende von Urlaubern tummeln sich an den Stränden von Conil de la Frontera. Doch die sind so breit und vor allem so lang, dass sich die Sonnenhungrigen nicht in die Quere kommen. Von oben, von der Steilküste wirken sie wie kleine Punkte, die ständig in Bewegung sind und nur ab und zu in die glasklaren Atlantikfluten eintauchen. Der Neuankömmling betrachtet das Treiben nicht ohne Verwunderung: Da liegen ihm einige der schönsten Badestrände Europas zu Füßen, und kaum jemand badet, zumindest in den ersten und letzten Tagesstunden nicht. Gemächliche Spaziergänger, flinke Jogger, Familien mit und ohne Kinderwagen, junge Sprachschüler mit und ohne Clique, sie alle erfasst ein kollektiver Laufrausch - 10 Kilometer Sandstrand ohne Unterbrechung! Spätestens am Ende des ersten Urlaubstages werden alle vom Laufrausch erfasst.

Strandläufer
Die Badefreuden beginnen in Conil also etwas später. Darauf hat sich auch der Bürgermeister eingestellt. Erst gegen 10:00 Uhr werden die Sanitäranlagen geöffnet, bezieht die Wasserrettung vom örtlichen Roten Kreuz ihre Türme an den fast drei Kilometer langen Hausstränden Playa de Los Bateles und Playa de La Fontanilla. Danach verkündet eine nette Lautsprecherstimme in drei Sprachen, dass nun alles hergerichtet sei und beendet die kurze Ansage mit: “Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag. Bitte benutzen Sie die Papierkörbe! Ihre Gemeindeverwaltung von Conil.”

Man merkt schnell, dass das Wohlergehen der Gäste ernst genommen wird und dass die Atmosphäre nicht verschandelt werden soll. Die Freundlichkeit der Einheimischen ist sprichwörtlich, die Jagd auf den Touristen-Euro nicht ihr erklärter Lebensinhalt. Während der Hauptreisemonate gibt es an den Stränden kostenlose Duschen, wildes Parken ist nicht erforderlich, dafür sorgen zwei große Parkplätze. Für Behinderte und Rollstuhlfahrer sind Stellflächen direkt neben den Holzstegen reserviert, die einen leichten Zugang zur Wasserlinie ermöglichen. Zur Not helfen auch mal die Bademeister, die ansonsten ohnehin nicht viel zu tun haben; bei Ebbe zeigt die breite Gezeitenzone, auf der auch die Reifen von Kinderwagen und Rollstühlen genügend festen Untergrund finden, wie flach der steinlose Strand abfällt.

Adios Ballermann
Insgesamt gehören 14 Kilometer der Costa de la Luz zur Gemeinde Conil. Ein Großteil ist unbebaute Steilküste mit vielen einsamen Buchten, die teilweise über steile Treppen zu erreichen sind. Dort, wo diese Steilküste mehr landeinwärts verläuft und den breiten Stränden Platz macht, thront das hübsche Städtchen Conil auf einem Hügel. Schon die Phönizier schätzten diese Lage und ließen sich gut 1.000 Jahre vor Chr. hier nieder. Heute bummelt man durch blitzblanke Altstadtgassen mit kleinen Cafés, Tapas-Bars und Restaurants. Wirte, die deutschen Filterkaffee, Schnitzel oder Kümmerling anpreisen? Fehlanzeige! Stattdessen frische Fischgerichte, rabenschwarze Cafès Solo und wirklich noch immer gut eingeschänkte Brandy-Gäser. Das liegt auch an der Tatsache, dass Conil schon lange vor dem Auftauchen der ersten mitteleuropäischen Urlauber bei spanischen Erholungssuchenden sehr beliebt war – und heute noch ist. So ist das Publikum wohltuend gemischt und für eine Ballermann-Subkultur findet sich kein Platz.

Hinterm Strand geht’s weiter
Über weltbekannte Sehenswürdigkeiten verfügt der Ort nicht, die Altstadt als Ganzes ist die Sehenswürdigkeit. Die Straßen durch das bäuerlich geprägte Hinterland der Provinz Cádiz sind gut ausgebaut. Sie führen zum Beispiel in das sehenswerte Bergstädtchen Vejer de la Frontera (15 km), in die Hafen- und Provinzhauptstadt Cádiz (40 km), Europas älteste Stadtgründung, oder in das Weinanbaugebiet zwischen El Puerto de Santa Maria (40 km) und Jerez de la Frontera (70 km) mit den weltbekannten Sherry- und Brandy-Bodegas, Pferdegestüten und Reitschulen. Aktivurlauber können durch die zahlreichen Naturschutzgebiete wandern. Belohnt werden sie u.a. mit uralten Olivenhainen, pittoresken Bergdörfern, schattigen Nadelwäldern und großen Flamingo-Kolonien.

Die Provinz Cádiz gilt auch als Geburtsstätte des Flamenco, der große Popularität besitzt. Kaum ein Stadtteil oder Dorf, das nicht über eine eigene Flamenco-Gruppe verfügt. Sie bieten Flamenco in Reinkultur, nicht diese entsetzlichen Vorführungen, die man anderenorts in Spanien in Kombination mit einer Eselsafari oder einer Sangria-Orgie buchen kann. Den El Coro Flamenco Conileno, der gelegentlich auch in Hotels auftritt, sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Klagegesänge
Neuerdings erfreut sich Flamenco auch außerhalb Spaniens wachsender Beliebtheit. Farbenprächtig und mitreißend sind die Tänze, für mitteleuropäische Ohren meist gewöhnungsbedürftig ist die Urform, der herzzerreißende Klagegesang cante jondo. Bleibt zu hoffen, dass der Bürgermeister von Conil nicht irgendwann einen cante jondo anstimmen muss. Weitsicht beweist er mit dem Programm Turismo Sensible, das strenge Bauvorschriften vorschreibt. So stehen die Chancen sehr gut, dass der Charme von Conils Altstadt und den Stränden noch lange erhalten bleibt. Aber so viel landschaftliche Schönheit weckt auch Begehrlichkeiten.

Schon wächst zwischen den Feldern die Dichte der Eigenheime und Feriensiedlungen. Auch die Hotelneubauten außerhalb der Stadt könnten, obwohl landestypische Bauweise überwiegt, schnell zu einem großflächigen Schandfleck werden. Der Wunsch der netten Lautsprecherstimme, die allabendlich den Dienstschluss der Wasserrettung verkündet und mit dem Satz endet, “Wir hoffen, Sie hatten einen schönen Tag an unseren Stränden und freuen uns, Sie morgen wieder begrüßen zu dürfen!“, könnte dann von Urlaubern ungehört über den Atlantikwellen verhallen. (Kurt Peter & Silvia Beumler)
Info-Adressen
Spanisches Fremdenverkehrsamt, Regionalbüro Berlin, Kurfürstendamm 63, 10707 Berlin
Tel. 030-8826543, Email: berlin@tourspain.es, Internet: www.spain.info
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