Indien

Die Götter sollen Delhi erbaut haben, so steht es als hinduistischer Mythos Mahabharta niedergeschrieben. Aus heutiger Sicht ist die Hauptstadt Indiens alles andere als göttlich. Die Megastadt präsentiert sich als Moloch. Millionen Menschen leben hier, viele davon vegetieren als Landflüchtige auf den Straßen. Aber nicht nur das Elend, sondern auch die Smogglocke über der Stadt sind nichts für zarte mitteleuropäische Seelen. Gerade der Verkehr trägt stark zur Luftverschmutzung bei. Er ist nicht nur laut, sondern auch lebensgefährlich. Als wir eine der großen Straßen am Haupt-Basar überqueren, müssen wir auf halber Strecke umkehren, um einer neuen Welle Fahrzeuge zu entkommen. Mit dem Scouter, einem Motorrikscha, erscheint es uns sicherer als zu Fuß die Stadt zu erkunden. Weit gefehlt! In halsbrecherischer Fahrt knattert der Fahrer los. Bremsen scheint nicht zu einer indischen Tugend zu gehören, und so entgehen wir oft nur durch ein geschicktes Manöver dem Zusammenstoß mit stärkeren Verkehrsteilnehmern. Auf die Hupe drücken, sich mit uns unterhalten und gleichzeitig dem Gegenverkehr auszuweichen ist bei dem Fahrer einerlei. Ich schließe für den Rest der Fahrt die Augen und begnüge mich damit, Gebete an alle hinduistischen Schutzgötter zu schicken.

Delhis Kontraste
Im Grunde genommen ist die Stadt eigentlich der Horror, wenn da nicht einige Sehenswürdigkeiten wären. Da ist z.B. das 1565 fertig gestellte Mausoleum für den Mogul-Kaiser Humayun. Der hohe Kuppelbau mit den Torbögen ist in rot-weißem Stein gehalten. In der Nähe liegt das weitläufige Regierungsviertel aus der britischen Kolonialzeit. Am Ende der Prachtstraße befindet sich das India Gate, ein Gedenkmonument für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges. Als große Sehenswürdigkeit gelten noch das Rote Fort und die Moschee Jani Masjid, beide in Alt-Delhi. Das Rote Fort ist ein ehmaliger Maharaja-Sitz und besteht aus mehreren Palästen, die allerdings nicht alle besichtigt werden können.

Pink City
Nach einer eher kurz gehaltenen Visite in der Hauptstadt liegt 300 km südwestlich das Ziel Jaipur, auch Pink City genannt. Rosa ist die Begrüßungsfarbe in dem Bundestaat Rajasthan, und so wurde 1876 die ganze Stadt für den Besuch Prinz Alberts, dem späteren König Englands, angestrichen. Auch heute noch hat sich diese Tradition gehalten, und man sieht in der Altstadt heilige Kühe vor rosa Häusern. Gleich am Rande der Altstadt liegt der Palast der Winde, das Wahrzeichen Jaipurs. Eigentlich ist das Hawa Mahal eine Fassade, hinter der die Frauen des Maharajas Ausblick auf die Straße genossen. Von hier sieht man den Palast des heutigen Maharajas. Die riesige Anlage ist teilweise zu besichtigen und beherbergt mehrere Museen.

Jaipur: Maharajas und Edelsteine
„Sightseeing, very cheap!“ spricht uns ein Rikscha-Fahrer an. Nach unseren Erfahrungen in Delhi lehnen wir dankend ab und lassen uns im komfortablen Touristenbus nach Amber kutschieren. Amber ist der alte Sitz des Maharajas und liegt 30 km außerhalb der Stadt. Rund um Jaipur werden noch viele Arbeitselefanten eingesetzt und stellen eine Attraktion der Stadt dar. Was ist schon ein Indienurlaub ohne diese Dickhäuter? Im Innern lassen Marmor, Gold und kunstvolle Verzierungen den Prunk vergangener Tage erahnen. Jaipur ist nicht nur jahrhunderte alter Maharaja-Sitz, sondern auch Zentrum der indischen Juweliere und Goldschmiede. Schmuck sollte man aber nur in seriösen Geschäften kaufen und nicht an Straßenständen. Hier werden für viel Geld Glassteine als Smaragde oder Saphire verkauft. Von Jaipur geht es per Bahn weiter nach Agra. Überfüllte Zugabteile sind ein Synonym für die Überbevölkerung des Subkontinents.

Der Zauber des Taj Mahals
Derart düstere Gedanken verschwinden schnell beim Anblick des Taj Mahals in Agra, der dritten und letzten Stadt des Goldenen Dreiecks. Das Gebäude ist mit Sicherheit das berühmteste Indiens. Nach 22 Jahren Bauzeit durch insgesamt 20.000 Arbeiter wurde das Mausoleum für die Lieblingsfrau von Shah Jahan fertig gestellt. Mit den vier Türmen um den Kuppelbau herum sieht die Grabstätte wie ein Märchenschloss aus tausend und einer Nacht aus. Der weiße Marmorbau passt sich stilvoll in eine Gartenanlage an, in deren Seen sich das Taj Mahal spiegelt. Früh morgens kommen nur wenig Besucher hierher, und man hat die Gelegenheit, Eisvögel an den Teichen zu sehen. Abends ist der Touristenandrang dagegen sehr groß. Die riesige Staatsverschuldung für den Bau veranlasste den Sturz des Herrschers. Ausgerechnet der eigene Sohn ließ Shah Jahan im Roten Fort, der größten Festungsanlage in Agra, für den Rest seines Lebens einsperren. Ironie des Schicksals: Er hatte von dort einen super Blick auf das Taj Mahal! (Jens Lührs)
Insidertipps
Reisezeit: Mildes Klima herrscht in Indien von Oktober bis Februar und bietet sich optimal zum Reisen an. Die Sommermonate von März bis Mai sind extrem heiß und sollten als Reisezeit genauso gemieden werden, wie die Monsunregenzeit von Juni bis September.
Gesundheit: Malaria-Prophylaxe ist sehr wichtig. Indien zählt zur Kategorie B. Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie und Kinderlähmung sollten in Deutschland Standard sein und empfehlen sich für Indien noch mehr. Je nach Reiseart kann eine Impfung gegen Typhus oder Hepatitis A notwendig sein.
Verkehrsmittel: Koloniales Erbe sind die vielen Eisenbahnstrecken, mit denen man oft auch kleinere Städte erreicht. Es empfiehlt sich ein bis zwei Tage im Voraus die Tickets zu kaufen, da die Züge oft ausgebucht sind. Bei allen Fahrten sollte man gegen einen recht geringen Aufpreis erste Klasse fahren, denn die zweite oder dritte Klasse ist meist total mit Menschen und Tieren überfüllt, dass es sehr unangenehm werden kann. Auf Kurzstrecken ist die „Holzklasse“ allerdings ein Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte. Überlandbusse sind keine gute Alternative zur Bahn. Zu oft liest man von Unfällen wegen Übermüdung oder Unachtsamkeit. In den Städten bieten sich Taxen und Motorrikschas zur Fortbewegung an.
Kulinarisches: Die indische Küche ist so reichhaltig, dass es den Rahmen sprengen würde die leckersten Gerichte aufzuzählen. Niemand sollte sich aber das vegetarische Thali oder die fleischhaltigen Gerichte Tandoori und den Hackfleischspieß Kofta entgehen lassen. Dazu wird oft Gemüse und das Fladenbrot Nan gereicht. Gehobene Restaurants gibt es nur in größeren Städten oder besseren Hotels, aber einfache Imbissstuben existieren in jeder kleineren Stadt. Straßenstände sollten aus hygienischen Gründen vermieden werden. Softdrinks und Tee gibt es ebenfalls in jedem Restaurant.
Info-Adressen
Indisches Fremdenverkehrsamt, Basler Str. 46, 60329 Frankfurt
Tel.: 069-2429490, Email: info@indiatourismfrankfurt.com, Internet: www.india-tourism.com
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