
Einer, in der X wie SCH ausgesprochen wird, nach altspanischer Art. In der es dem französischen Bonjour ähnelt, wenn jemand einen guten Morgen wünscht. In der man sich, scusi, entschuldigt wie ein Italiener. Und in der man ziemlich umständlich bitte sagt, es klingt nämlich so wie jek-jodschbok. Die Sprache ist eine mit Lehnwörtern diverser Herkunft gespickte Form des Arabischen, heißt Malti und gehört zum künftigen EU-Mitglied Malta. Dass dieses Land nicht nur eine, sondern drei Mittelmeerinseln umfasst außer Malta noch Gozo und das Mini-Eiland Comino , weiß kaum jemand, bevor er zum ersten Mal herkommt. Und von denen, die kommen, fahren die wenigsten hinüber nach Gozo; na ja, für den Geschmack vieler Gozitaner trotzdem vielleicht zu viele, aber der Atmosphäre von Gelassenheit und Ruhe haben sie bislang nicht viel schaden können.
Gozo für Einsteiger
Die Fähre von Malta zur 15 km langen, 7 km breiten, grüneren und bergigeren Insel Gozo passiert Comino, ein kleines Felseneiland, und macht am Kai von Mgarr fest. Um den Hafen herum ist Mgarr ganz hübsch, doch damit hat sich`s auch. Wie wärs mit Qala als erstem Ziel? Keine Einwände, aber auch keine Erwähnung im Reiseführer. Prompt hat uns die kleine Barockkirche, die es hier gibt, nicht erwartet, ist geschlossen, und zwei alte Windmühlen, die wie Wehrtürme aussehen, sind ebenfalls außer Betrieb. Nur eine besitzt noch Flügel, allerdings ohne Bespannung. Sonnenblumen leuchten aus dem Gärtchen davor; auf der Straße lässt niemand sich blicken.
An der Nordküste, wo die Hänge zur See abfallen, prägen eingegrenzte Terrassenfelder, gesäumt von Sträuchern und buntem Geblüh, die Landschaft. Mit Maschinen ließe sich hier kaum etwas bewirtschaften; das Leben kann für die Bauern kein Honiglecken sein. Umso besser für Esel: Sie werden hier noch gebraucht. Obwohl die San Blas Bay Sandstrand besitzt, lockt sie kaum Fremde an, denn Besucher müssen die letzten zwei Kilometer zu Fuß zurücklegen und Proviant mitbringen. Also bevorzugen sie die leichter erreichbare Ramla Bay, deren gelber Strand als schönster der Insel gepriesen wird. Hier gibt es Restaurants, Liegestühle und Sonnenschirme. Der Hinweis auf einem Schild Oben ohne verboten wird nicht von allen Frauen beachtet. Milde behält eine Madonna mit Jesuskind von ihrem Sockel herab das Treiben im Blick.
Viele Gozitaner sind stolz auf die Kalypso-Grotte oberhalb der Bucht. Dort soll sich die laut Homer ‘schöngelockte´, offenbar auch ganz schön lockere Nymphe mit dem schiffbrüchigen Odysseus vergnügt und ihn gefangen gehalten haben. Angeblich erbarmte sich Zeus nach sieben Jahren des nun entkräfteten Menschen und verdonnerte Kalypso, ihn heimwärts schippern zu lassen.Das Urlauberzentrum Marsalforn hat vom Fischerort nicht viel übriggelassen, ihn mit Hotel- und Apartmentbauten fast schon erdrückt. Immerhin werden im Gauleon oder Il Kartell gute Fischgerichte serviert, und im Republic fühlen die Briten sich wohl. Bei Marsalforn verschönern weiche, weißgelb leuchtende, keineswegs klobige Globigerinenfelsen die Küste, und ein längerer Uferabschnitt präsentiert Salzpfannen, flache Becken, die noch immer genutzt, mit Meerwasser angefüllt werden sobald es verdunstet, bleibt die einst wertvolle Kruste zurück.
Schwamm drüber
Die Westküste zeigt sich in der Nähe des Dwejra Point steil und zerrissen. Das Azure Window ist eher Tor als Fenster, von der Natur ins Meer vorgebaut, und der Fungus Rock hat seinen Namen nicht seiner Form zu verdanken, sondern einem auf ihm wachsenden Schmarotzer. Mit dem Saft der Blütenkolben behandelten die Johanniter Wunden und Blutungen. Sie behaupteten, ihr ‘Malteserschwamm´ sei nur auf diesem Felsen zu finden. Weil der Saft als Wundermittel galt, verdienten sie beim Verkauf an Fürsten- und Königshäuser schweres Geld. Der Felsen wurde scharf bewacht. Wer beim Versuch zu ernten erwischt wurde, hatte Galeerendienst oder den Tod zu erwarten. Die Pflanze wächst in Wahrheit auch anderswo, in Sizilien, Nordafrika oder asiatischen Ländern. Und bei wissenschaftlichen Analysen wurden keinerlei heilende Substanzen entdeckt.Hinter der breiten Felsbarriere der Küste liegt die Inland Sea, ein größerer salziger Teich, vom Meer gespeist und mit ihm durch einen langen Tunnel verbunden, der Fischerbooten den Weg zu diesem sicheren Ankerplatz öffnet.
(Bert Berkensträter)