Mexiko City

Nach zwölf engen LH-Jumbostunden und fast 10.000 Kilometern wirkt der Anblick des endlosen Häuser- und Budenbands unter dir wie ein Albtraum. Das also ist Mexiko-Stadt, mit an die 25 Millionen Menschen die größte Massenveranstaltung der Welt, auch Mex.-City oder spanisch Ciudad de México genannt. Der Anflug hat was: Vorbei an den mächtigen Schnee-Spitzen der beiden stadtnahen Vulkane Popocatépetl und Ixtaccíhuatl beleuchtet die untergehende Sonne historischen Grund. Denn die heutige Megapolis wurde auf den Resten des antiken Tenochtitlán gebaut, dem schwimmenden Venedig des Aztekenreiches im Texcoco-See, der längst vertrocknet ist. Bevor der spanische Eroberer Hernán Cortés von 1519 bis 1521 die blühende Stadt bekämpfte und schließlich zerstörte, galt sie als Schönheit ohne Beispiel.

Mexiko-Stadt, in einem smogdurchtränkten Talkessel über 2200 m hoch gelegen, hat sich ein wenig dieser Anschaulichkeit bewahrt. Auf den eleganten Boulevards (z.B. Paseo de la Reforma), am Alameda-Park etwa und den Sträßchen drumherum oder am Zócalo, dem Hauptplatz. Die junge Nation, gerade mal 500 Jahre alt, lässt hier unweit der mächtigen Kathedrale jeden Morgen mit viel Tamtam eine gigantische grün-weiß-rote Landesfahne hissen und abends wieder einholen. Drumherum pulsiert das Leben: Grün-weiße VW-Käfer spielen Taxi, Ananasverkäufer rufen, Demonstranten vor dem lang gestreckten Nationalpalast. Polizei allerorten und dennoch haben die Taschendiebe ihre Chance. Nebenan tanzen Männer mit kupferroter Haut und Federn auf dem Kopf wild und beschwörend zum Trommelschlag. Leid und Leidenschaft. Licht und Schatten. Heiterkeit und banaler Alltag. Cartier und Kloake.

Die schwimmende Vorstadt
Zu sehen gibt es viel, z.B. das farbenfrohe Boots- und Blumenspektakel in Xochimilco. Die schwimmende Vorstadt ist immer wieder sonntags ein Stück echter mexikanischer Volksseele. Hier fährt man Boot, hier trinkt man Tequila, hier stopft man sich Tacos hinein, hier hört man Mariachi-Klänge auf jedem zehnten Kahn. Der Fremde ist willkommen: Winken, Klatschen, eine Rose für die Damen. Ganz anders präsentiert sich Wallfahrtstätte der Nuestra Senora de Guadalupe. Das größte Marienheiligtum Amerikas ist ganz auf Menschenmassen eingestellt: Die moderne Basilika wurde in für mittelamerikanische Siesta-Verhältnisse unvorstellbar rasanten 360 Tagen fertig, fasst 20.000 Menschen und führt diese auf einem Rollband am Erscheinungsbildnis der schwarzen Maria vorbei – wenn man so will: Heiligenverehrung am Fließband... (Alexander Richter)
Tourtipps
Nach Tula fährt man schnelle 90 Minuten, um hier die Fingerfertigkeit der Tolteken zu bestaunen. Die Ruinen ihres Zeremonialzentrums, das um das Jahr 1000 herum in Betrieb war, sind mit einer Ausnahme nicht wirklich spektakulär: Die über vier Meter großen Kolossalfiguren (Atlanten genannt) verleihen den Steinresten des Morgensterntempels die nötige Aufmerksamkeit touristischer Kameraaktivitäten. Nördlich der Hauptstadt liegt mit Teotihuacán eine andere Hauptstadt, von der man nicht weiß, wer sie gebaut, wer hier gelebt hat. Sicher ist, dass das heutige UNESCO-Weltkulturerbe in den ersten 600 Jahren unserer Zeitrechnung das unumschränkte Machtzentrum Mesoamerikas war. Viele Zeugnisse dieser Vergangenheit wurden prachtvoll restauriert – die Mondpyramide, der Palast der Jaguare, die schweißtreibende Sonnenpyramide, der Tempel des Quetzalcóatl, der als gefiederte Schlange wie eine Art Urgott unter den über 100 Göttern im alten Mexiko gewirkt haben muss. Wer Teotihuacán sieht, begreift, welche geheimnisvollen Hochkulturen es jenseits von Azteken, Mixteken, Olmeken oder Mayas in diesem Teil der Welt noch gegeben haben muss.
Palenque, die alte Mayahochburg mitten im Busch, ist als weiteres UNESCO-Kulturdenkmal prächtig restauriert. Jeden Tag aber müssen die Macheten-Männer ran: Sie sorgen messerscharf dafür, dass der Dschungel zumindest kurzfristig wieder ein Stück von den alten Maya-Mauern zurückgedrängt wird. Die Luftfeuchtigkeit steigt, es wird allmählich heiß – die angenehmen Temperaturen aus dem Hochland sind „Kühle von gestern“. Der anstrengende Anstieg auf den Tempel der Inschriften ist gesperrt – Millionen Touristenfüße haben auf den steilen Treppenstufen ihre nicht immer freundlichen Abdrücke hinterlassen. In Palenque begreifen wir, dass die alten Mayas auch gute Trinker gewesen sein müssen. Immer wieder sind Sauf- und Rauschgelage in Stein gehauen und Akan, der Gott des Rausches, wird gar mit diversen Prozentzeichen am Körper dargestellt...
Überhaupt die Mayas: Sie wussten so viel von Sonne, Mond und Sternen, hatten eine Schrift, die uns lange Rätsel aufgab und haben uns wie in Uxmal (die große Pyramide ist wegen Bauarbeiten gesperrt), dem prächtigen Chichén Itzá oder im strandnahen Tulum Steine über Steine hinterlassen: mächtige Pyramiden, verwinkelte Paläste, filigrane Stuckarbeiten. In Chichén beginnt er dann auch wieder – der stark amerikanisch geprägte Badeschlappen-Tanga-Bierbauch-Tattoo-Tourismus, was zeigt, dass die Traumstrände und Heiterkeitsmeilen rund um Cancun nicht allzu weit sein können. Die Qualität der lokalen Führungen lässt spürbar nach. So weiß man, dass die Mayas, auch später die Azteken, mit Vorliebe ein Ballspiel namens Pelota betrieben. Wie genau die Regeln waren, ist unklar. Auch wissen wir nicht, ob der Gewinner oder der Verlierer den Göttern blutig geopfert wurde. Die einheimischen Führer lassen die Geschichtslücken nicht gelten und erzählen den staunenden Jims und Britneys, dass ein Team aus sieben Spielern bestand, der Ball durch einen Ring geworden werden musste und der Verlierer geköpft wurde.
Info-Adressen
Mexikanisches Fremdenverkehrsbüro, Taunusanlage 21, 60325 Frankfurt
Tel.: 069-253509, Email: germany@visitmexico.com, Internet: www.visitmexico.com
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