Peru

Alle Peru-Trips beginnen - oder enden - in Lima und Rucksack-Traveller werden sich erinnern, dass diese Stadt einst als Hort der Taschen- oder Trickdiebe galt. Nichts war vor den Langfingern sicher - sei es der Rucksack, oder am Hotelzimmer abgestellte Schuhe o.Ä. Zwar hat sich seither vieles getan, doch ist es dennoch sehr ratsam, bei Ausflügen nur wenig Geld und Wertsachen mit zu nehmen, wachsam zu bleiben und Kopien von Pass und Tickets dabei zu haben, damit man bei Diebstahl problemlos an neue Dokumente kommt. Nachts meide man schlecht beleuchtete Straßen lieber.

Wer vom Flughafen in Richtung Innenstadt fährt, weiß, woher die Armut kommt - mehr als die Hälfte der acht Millionen Limeños lebt in armseligen Wellblechhütten am Rande der City. Trotzdem sollte man sich die zauberhafte Altstadt mit dem barocken Kloster San Francisco und kolonialen Prachtbauten wie dem Palacio de Torre Tagle ansehen. Sehr sehenswert ist auch das Museo Rafael Larco Herrera, Bolivar 1515, Stadtteil Pueblo Libre. Es besitzt die größte Sammlung präkolumbischer Kunst in Lateinamerika und zeigt u.a. Mumien, wertvolle Textilien und zahllose Gegenstände aus Gold und Silber.

Wer sich hingegen über die altindianischen Kulturen informieren will, sollte sich das Museo de la Nacion, Av. Javier Parado Este 2465, Stadtteil San Borja ansehen. Genießer oder Nachtschwärmern steuern hingegen die Stadtteile Miraflores oder Barranco an (am besten mit dem Taxi!) Snacks und hübsches Ambiente gibt´s im Straßencafé De La Paz, Parque Kennedy, Miraflores. Eine gute Ceviche – in Zitronensaft marinierten rohen Fisch – kredenzt man im Canta Rana, Genova 101, Barranco. Disco-Fans schwärmen in den Szene-Park Larcomar, Malecon Cisneros, Miraflor aus. Gemütliche Peñas (Kneipen) mit Tanz und Musik sind das Songoro Cosongo, Ayacucho 281, Barranco, und El Ekeko, Av. Grau 266, Barranco.

Die Erbschaft der Inkas
Wie riesige Erdhaufen auf einer Baustelle türmen sich die gewaltigen Granitmassen der Cordillera Occidental gleich hinter der Küste auf, garniert mit einem Puderzuckerhäubchen aus ewigem Eis. Keine Frage: In Peru geht´s bisweilen hoch hinaus. Wer Machu Picchu, das Erbe der Inka sehen will, der sollte einen einigermaßen stabilen Kreislauf besitzen. Cusco, die einstige Hauptstadt des mächtigen “Reichs der Sonnenkinder”, liegt immerhin auf über 3300 m, doch kann man sich dort in einigen günstigen Hotels von den Strapazen erholen, etwa im Amaru-Hostal, Cuesta San Blas oder dem Hostal El Arcano, Carmen Alto 288-294. Viele Traveller wollen von Cusco aus den Inka-Trail nach Machu Picchu abwandern - doch Vorsicht: Während der Hochsaison (November bis April) ist auf dem Pfad trotz der Limitierungen der Wander-Permits (gegen 50 Euro Gebühr!) die Hölle los. Da man bis auf 4200 m kommt, sollte man zudem ausreichend akklimatisiert sein. Für organisierte Touren sorgt z.B. die Agentur Ruinas, Calle Ruinas 472, Cusco.

Einfacher geht´s mit dem Touristenzug,
der die 120 Kilometer lange Strecke nach Machu Picchu in drei Stunden bewältigt. Im Zickzackkurs schraubt er sich aus dem Talkessel der einstigen Inka-Metropole (Tickets am Vortag besorgen, Fahrtkosten im Backpacker-Express hin und retour ca. 30 Euro). Bei jedem Halt drängen sich die Souvenirhändler auf den Bahnsteigen, verkaufen Limonade, Obst und Ansichtskarten. Manchmal taucht der Zug in einen Tunnel aus Farnen und riesigen Schachtelhalmen. Neben den Gleisen, im heiligen Tal der Inka, gurgelt der Rio Urubamba, und in der Ferne leuchtet das schnee- und eisbedeckte Zackenband der Kordilleren. Ein Bus bringt die Fahrgäste von der Endstation in 58 Serpentinen hinauf zur Ruinenstadt, wo man ehrfurchtsvoll die perfekt geplanten Bauwerke der Inkas bewundern kann. Nur der Inka-Hochadel durfte einst die Heilige Stätte von Machu Picchu betreten und dort Inti, dem Sonnengott huldigen. Sehenswert sind, neben der kunstvoll gebauten Inka-Feste Sacsayhuaman nahe Cusco, natürlich die gesamte Altstadt mit der Plaza de Armas, einem der schönsten Plätze ganz Lateinamerikas, an dem sich Traveller aus aller Welt, Einheimische und leider auch Taschendiebe treffen. Zahllose Paläste wie z.B. das Erzbischöfliche Palais, Kirchen wie etwa die Jesuitenkirche La Compañia und kleine Museen erfordern zwei bis drei Tage.

Bootstour auf dem Titicacasee
Von Cusco aus wurde ein Gebiet regiert, das von Kolumbien bis Chile reichte, und wie es kam, dass die heute noch geheimnisvolle Stadt zum Mittelpunkt wurde, das berichtet der Schöpfungsmythos: Einst schickte der mächtige Sonnengott seine beiden Kinder Manco Capac und Mamma Ocllo, die Stammeseltern aller Inka, auf die Erde. Sie sollten den Menschen eine Staatsordnung und Kultur bringen und sich dort niederlassen, wo ihr goldener Stab im Erdreich versinkt. Vom Titicacasee führte sie der Weg entlang der heutigen Bahntrasse in ein liebliches Hochtal, wo der Stab plötzlich an einem Hügel im Erdreich verschwand. Genauso unwirklich wie diese Geschichte wirkt der Titicacasee, der höchstgelegene Binnensee der Welt, der 16 mal so groß ist wie der Bodensee. Um vor Angreifern besser geschützt zu sein, bauten die Uro-Ureinwohner ihre Häuser mit Schilf, mitten aufs Wasser - die Nachbauten sind Ziele einer jeden Bootstour. Der Zug von Cusco nach Juliaca/Puno am Titicacasee erschließt das zweite Highlight dieses Landes. Zwölf Stunden benötigen peruanische Züge für die Reise, der neue, teure Orient Express-Luxuszug düst dieselbe Strecke in knapp zehn Stunden ab. Nächtigen kann man in netten Hotels in Puno wie z.B. Pukara Hostal, Jr. Libertad 328. Rings um den See säumen schneebekränzte Berge das Bild, und so ist es kaum zu glauben, dass Regenwald, krächzende Papageien, Treibhaus-Dämpfe und die träge dahin mänandernden Nebenflüsse des Amazonas wie Rio Ucayali oder Rio Napo nur einen Steinwurf weit entfernt liegen. (Wolfgang Veit )
Tourtipps
Abenteuer im Regenwald
In der Selva, dem tropischen Urwaldgürtel im Osten Perus, werden alle jene Wunder-Bilder real, die man einst als Schüler fleißig in seine “Sanella”-Sammelalben geklebt hat: Urzeitliche Indianerstämme? Holzhäuser auf Stelzen? Kaimane oder Piranhas? Flussdelfine? Brandrodung und Zuckerrohr- oder Süßkartoffel-Anbau? Poppigbunte Aras, Jaguare? Wer von Lodges wie Yacumama mit einem Mini-Motorboot ausschwärmt, bekommt jede Minute eine neue Fassette dieser einmaligen tropischen Flusslandschaft zu Gesicht. Derlei - leider nicht billige - Regenwald-Abenteuer mit Lodge-Aufenthalten bucht man am besten bei Spezialveranstaltern wie zum Beispiel Latinobras, www.latinobras.net oder bei Internet-Anbietern wie www.viventura.de.

Rätsel im Norden
Doch auch der Norden hat es in sich. Noch viele ungelöste Rätsel gibt´s in dem Andenland – was einen Trip durch Peru noch reizvoller macht. Beteten die Chimú-Fischer, die einst die sehr sehenswerte Lehmziegelstadt Chan Chan bei Trujillo weit nördlich von Lima bewohnten, einst den Mond an, weil sie ins Mauerwerk der Paläste viele Monde ritzten? Was bedeutet der seltsame Name “Chan Chan” - übersetzt: Sonne, Sonne? Drei Fahrstunden nördlich davon herrscht Hexensabbat. In Chiclayo, auf dem größten Magier-Markt Lateinamerikas, türmen sich Wunder-Amulette, Heilkräuter, Tinkturen und Mixturen, die schon zur Inkazeit Verwendung fanden.

Feste Feiern
Trotz der Christianisierung Perus ist er noch allgegenwärtig, der große Sonnengott – und daneben mischen sich viele andere Bräuche und Gottheiten aus anderen Kulturen. „Fiesta“. Dieses Wort ist der Schlüssel zum peruanischen Lebensgefühl. Wirtschaftskrisen? Inflation? Arbeitslosigkeit? Dagegen hilft ein kleines Dorffest, bei dem Ilamaya erklingen, die alten Hirtenlieder, Wayno, peruanische Pop-Poesie oder wilde Zapateo-Rhythmen. Wer´s größer liebt, besucht im Oktober das Fest zu Ehren des „Herrn der Wunder“ in der Hauptstadt Lima, den wilden afro-peruanischen Straßenkarneval Fiesta Negra in Chincha im Februar oder Inti Raymi, das rauschende Fest des Sonnengottes, das alljährlich am 24. Juni in Cusco steigt, und wer sich dabei wundert, dass auf den Trachten wirklich sämtliche Töne der Farbenskala in Streifen-, Zacken- oder Rautenform zur Schau getragen werden, der bedenke, dass die Inka einst keine Schrift kannten, sondern ihre Botschaften in Stoffmuster kleideten. Gegen sonstige Trübsal hilft aber auch eine kubanische Nacht in der Salsateca, der Salsa-Disko oder auch nur ein Marinera-Tänzchen in der Peña, der kleinen Kneipe um die Ecke – Hauptsache, es gibt Chicha, selbst gebrautes Maisbier, Hauptsache, der Puls darf ein bisschen Achterbahn fahren.
Info-Adressen
Generalkonsulat von Peru, Kaiserstr. 74, 63065 Offenbach
Tel. 069-1330926, Email: postmaster@promperu.gob.pe , Internet: www.peru.org.pe
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